Zulieferer: Netz ist besser als Kette

Autor: Christian Enßle | Head of Cluster FMB | Easyfairs GmbH, Bielefeld

Viele Maschinenbauer suchen aktuell nach Möglichkeiten, ihre Zulieferketten robuster zu gestalten. Wie das geht, können sie von den Ostwestfalen lernen: Dort gibt es ein gut ausgebautes regionales Produktionsnetzwerk, das sowohl die Zulieferer als auch die Maschinenbauer stärkt.

Die Versorgung bereitet Sorgen

Die Logik des Just-in-time ist simpel: Lagerhaltung bindet kein Kapital. Erfunden wurde dieser Grundsatz der modernen Logistik übrigens, genau wie das Kanban-Prinzip, von Toyota. Das Toyota-Produktionssystem hat nicht nur dem japanischen Autobauer Erfolg gebracht, sondern auch vielen anderen Unternehmen, die ihre Lieferketten auf schlanke Logistik und das Vermeiden von Verschwendung (japanisch: „Muda“) getrimmt haben.

Dieses Prinzip wird in der Automobilindustrie gerade in Frage gestellt. Anlass dafür sind die Versorgungslücken vor allem in der Halbleitertechnik. In den vergangenen Monaten konnten mehr als vier Millionen Autos nicht produziert werden, weil es an Mikrochips fehlte (Link AP, s.u.). In Köln, Stuttgart, Ingolstadt und anderswo stehen die Bänder still. Und viele Maschinenbauer stellen fest, dass auch weniger anspruchsvolle Produkte plötzlich zur Mangelware werden, weil Rohstoffe fehlen oder Grenzschließungen die Transportketten behindern. Andere mussten ihre Lagerhaltung erhöhen, weil Lieferanten ihre Kapazitäten abbauen.

Kurz: Es ruckelt, zuckt und zerrt in der Lieferkette.

Die Grenzen des Just-in-time-Prinzips

Das bringt Einkäufer, Logistiker und Firmenchefs zum Nachdenken – genau wie der Unfall des Mega-Containerfrachters im Suezkanal. JIT funktioniert eben nur, wenn Waren weltweit verfügbar sind und zuverlässig von A nach B transportiert werden können. Ist das nicht der Fall, bringt das Eichhörnchen-Prinzip der umfassenden Lagerhaltung bessere Ergebnisse, auch wenn es Kapital bindet.

Von den Ostwestfalen lernen

Oder aber man macht es wie die Ostwestfalen: Hier spricht man nicht von Lieferketten. Vielmehr gibt es ein ganzes Netzwerk von leistungsfähigen Zulieferern, die den Maschinenbauern der Region (viele davon marktführend und „Hidden Champions“) zuarbeiten und mit ihren Innovation auch die Maschinen verbessern.

In OWL gibt es renommierte Hochschulen, die Industrie 4.0-Projekte vorantreiben, und mit it´s OWL gibt es auch ein Spitzencluster, das die Akteure nun schon im elften Jahr in Innovationsprojekten zusammenbringt. Und mit der FMB – Zuliefermesse Maschinenbau steht mittlerweile im 17. Jahr eine Plattform zur Verfügung, auf der Maschinenbauer und Zulieferer der (erweiterten) Region zusammenkommen, sich kennenlernen und austauschen und gemeinsame Projekte vereinbaren. Das sind dann Projekte, bei denen die Wege kurz und die Versorgungssicherheit hoch ist.

Von der Lieferkette zum Netzwerk

Nach dem pandemiebedingten Aussetzen der Messe im November 2020 wird dieser Austausch vom 10. bis 12. November 2021 wieder möglich sein. Und: Das Angebot gilt nicht nur für Unternehmen aus Ostwestfalen. Aussteller aus anderen Region knüpfen hier Kontakt zu neuen Kunden, Besucher finden auf der FMB qualifizierte Partner aus dem ganzen Spektrum der Zulieferindustrie für den Maschinenbau. So können Maschinenbauer neue Lieferanten bzw. Zweitlieferanten aufbauen – und damit ihre Lieferketten zu stabilen Netzwerken verstärken.

Link: https://www.automobil-produktion.de/hersteller/wirtschaft/autoindustrie-leidet-unter-halbleiter-engpaessen-241.html

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